Peter von Wienhardt zeigt sich in seinem Klavierabend am 8. September erst als Kosmopolit – um dann in gewohnte Gefilde nach Süddeutschland zurückzukommen...
Tan Duns (*1957) Biografie liest sich wie eine spektakuläre musikalische Odysee. Als Kind muss er in China zur Arbeit auf's Reisfeld, wächst mit traditioneller Musik auf, hat später – noch in China – erste Kontake mit der Musik von Bach und Beethoven, um dann in Amerika die Avantgarde um John Cage kennenzulernen.
Seinem Lehrer John Cage widmete Tan Dun 1994 die Komposition C-A-G-E, zwei Jahre, nachdem der Meister verstorben war. Cage hatte in den 1940ern eine ganze Serie von Werken für Klavier geschrieben, in denen er die Farb- und Intervallpalette des Instruments durch Schrauben, Radiergummis und andere Gegenstände, die in den Flügel gesteckt wurden, enorm erweiterte. Auch darauf baut Tan Dun auf, wenn er in C-A-G-E alles benutzt – nur nicht die Tasten. Dafür muss der Pianist Saiten zupfen, Glissandi schmieren und vieles mehr. Der Klang ist vielfältig, dafür ist die Tonauswahl absichtlich limitiert, nämlich auf den Namen des Widmungsträgers: C, A, G und E sind die häufigsten Noten. (Überzeugen Sie sich selbst, einen Ausschnitt des Klavierparts finden Sie als Link rechts oben auf der Seite.)
Ganz anders beeinflusste eine Reise Franz Liszt (1811-1886). Der hatte sich 1835 mit seiner Geliebten, der Gräfin Marie d'Agoult, in der Schweiz niedergelassen. Dass d'Agoult noch verheiratet war, hatte erwartungsgemäß zu einigen Schwierigkeiten geführt; die Reise in die Schweiz war auch so etwas wie eine Flucht. In diesem Jahr entstand eine Sammlung von Stücken mit dem Titel »Album d'un voyager« aus dem später umgearbeitet die »Années de pèlerinage I« werden sollten (in etwa »Jahre der Pilgerschaft«).
Das Album trägt die Überschrift »Première année: Suisse«, in neun Sätzen werden Orte der Schweiz in Töne gesetzt, unter anderem auch der »See Walenstadt« (heute schreibt man den Ort mit nur einem »l«), den Sie auf der Abbildung nur ein paar Jahre vor Franz Lizts Ankunft bewundern können.
Auch die anderen Werke des Abends erzählen meist von Orten, auch wenn die Beschreibungen natürlich nicht konkret und bildlich gemeint sind, sondern metaphorische oder lyrische Bedeutung haben. Da rauscht also getreu dem Festivalmotto der Rhein (nach Texten von Heine) und auch eine Gondel in Venedig und der heilige Franz von Paola, der bei Messina übers Wasser geht, werden zu erleben sein.
Als Vorgeschmack finden Sie auch vom Liszt eine kleine Kostprobe rechts oben auf dieser Seite...