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Musikfest Stuttgart

Resümee 2010

David Gazarovs atemberaubende Chopin Lounge im BIX Jazzclub

David Gazarov (Foto hs)

David Gazarov (Foto hs)

In kaum verhohlener Sorge darüber, dass sich der Flügel während der Probe verstimmen könnte, zog es David Gazarov am frühen Donnerstagabend (9.9.) nach einigen Übungen vor, in Ruhe einen guten Espresso im BIX Jazzclub zu sich zu nehmen. Dafür wurde das Instrument zwar später in der "Chopin Lounge" mitnichten mehr geschont, doch hatte es wiederum das große Glück, einem der herausragendsten Jazzpianisten unserer Zeit seine Mechanik und Klangfülle verfügbar machen zu können.

David Gazarov & Yamaha im BIX Jazzclub (Foto hs)

David Gazarov & Yamaha im BIX Jazzclub (Foto hs)

»Der Pianist David Gazarow aus Aserbeidschan nennt Chopin einen Salonmusiker. Dann dürfen wir ihn einen Lounge-Virtuosen heißen. Gazarow, der seit Jahren im Münchener Nobelhotel "Vier Jahreszeiten" die Gäste unterhält, ist auf den Zug aufgesprungen, der im Chopin-Jahr zum 200. Geburtstag des großen Polen von Konzert zu Konzert dampft. Am Donnerstagabend hat er Station gemacht im ausverkauften Jazzclub Bix. Chopin und Jazz – geht das? In den Strom der romantischen Klavierklänge eines Chopin-Impromptus in cis-Moll baut Gazarow zunächst fast unmerklich ein paar rhythmische Widerstände ein. Das führt zu kaum spürbaren Stockungen, zu ein paar Strudeln und Gegenläufigkeiten, bevor er den perlenden Klangfluss wieder ungehindert und unverfälscht ausklingen lässt. Gazarow schwelgt in den Schönheiten der Chopin’schen Harmonien wie in Liebeserinnerungen. Mit den Mitteln des modernen Jazz raut er Chopins gefühlvolle Klangschönheiten auf, holt ihn aus den Pariser Salons des 19. Jahrhunderts in den Stuttgarter Club. Das tut er mit großer Leichtigkeit. Technische Probleme scheint der in Baku und Moskau ausgebildete Pianist, der mitAziza Mustafa Zadeh studierte, nicht zu kennen [...]

[...] Bei einer selten gespielten Etüde in es-Moll, die sich ganz im Geist Chopins entfaltet, tritt der Jazz nicht heimlich, sondern plötzlich mit triumphaler Geste auf: „Seht her, hier bin ich. Ich mache die Sache spannend!“ Chopin und Jazz – das geht. Die Jazz-Paraphrase klingt aus wie ein Gewitter, auf das der warme Regen der romantischen Musik folgt. Gazarow spielt noch ein Scherzo, widmet Chopin, dessen Körper in Paris, dessen Herz aber in Warschau begraben ist, eine Eigenkomposition und wendet sich dann ganz dem Jazz zu. Er spielt „Confirmation“, eine rasante Bebop-Nummer von Charlie Parker, das bekannte „Take Five“ von Paul Desmond, „Sophisticated Lady“ und „Caravan“ von Duke Ellington. Kompositionen und Improvisationen werden zu Schau-Stücken der Fingerfertigkeit. Das zarte Wiegenlied „Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“ klingt noch nach, als sich das beeindruckte Publikum auf den nächtlichen Heimweg macht.« (Thomas Staiber, Stuttgarter Nachrichten, 11.9.)

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